skyXtreme Eure Stories
Vol. 5 - Februar 2000 / Deutsche Ausgabe Das Magazine von Skydive World

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Diese Seite ist für Eure Skydive-Stories. Habt Ihr eine aussergewöhnliche, lustige oder aufregende Geschichte erlebt oder gehört? Schreibt sie auf und erzählt sie den Lesern von skyXtreme. Für diejenigen, die Englisch verstehen, lohnt sich auch immer ein Blick in unsere englische Ausgabe.
Seite 2 - mehr auf Seite 1  

Millennium-Sprung in Lodi
von Charlene Kerr - charlene@mountainlion.org
Übersetzung aus dem Englischen von @nne

Es ist irgendwann nach zehn Uhr abends. Die Dropzone ist dunkel und ruhig. Ein paar von uns sind vor kurzen vom Dinner zurückgekommen und sitzen im Wohnmobil und reden. Der Fernseher läuft und die Neujahrs-Feierlichkeiten auf der ganzen Welt murmeln im Hintergrund leise vor sich hin.

Ich mache eine kurzen Spaziergang, schaue in die Stern und denke, dass sich der Mond nicht vor 2.47 Uhr zeigen wird. Wie dunkel wird es wirklich sein? Ich bin bisher nur bei Mondlicht gesprungen. Die Dropzone sieht verlassen aus und ich gehe zurück zum Wohnmobil.

Ein paar Minuten später höre ich Kathy rufen "..Wir verkaufen jetzt Chemo-Lampen am Manifest.."

Meine Gedanken drehen durch? Lieber Gott, es passiert wirklich. Das Tal, bekannt dafür, um diese Jahrszeit in eine dicke Nebelsuppe gehüllt zu sein, ist kristallklar. Die für diesen Abend angekündigten Wolken sind auch noch nicht aufgetaucht. Und jetzt verkauft Kathy Chemo-Lampen! Ja, es passiert wirklich!

Ich gehe zum Hanger und kaufe meine Lampen. Wo kommen plötzlich all die Leute her? Vor ein paar Minuten war noch kein Mensch hier. Der Energie-Level im Hanger erreicht ein fast ein hörbares Summen. Jeder hantiert herum, checkt sein Gear, spielt mit Lampen und Pfeifen, die helfen sollen, dass man in der Luft gesehen und gehört wird.

Beim Briefen zuhören. Fertig machen. Alle Lampen zweimal prüfen. Alle Lampen dreimal prüfen. Okay, lasst uns in den Bus steigen. (Die DC-3 braucht einen längeren Runway, deshalb fahren wir mit dem Dropzone Bus rüber zum anderen Ende der Flugplatzes). Wer den Bus noch nie gesehen hat, hat was verpasst. Es ist einer dieser kurzen Schulbusse, himmelblau angestrichen, mit silber umrandeten Wölkchen. Y2K Jump
Photo © by Glenn Rogers

Der Bus rumpelt um die Ecke, und da ist sie! Die Motoren schnurren, das riesige, silberne Biest wartet geduldig darauf, dass wir einsteigen. Wie im jedem Absetzflieger, ist auch hier das Innere mit Aufklebern übersät. Der einzige Unterschied hier ist, dass dieses Flugzeug Aufkleber aus einer Zeit hat, als ich noch nicht geboren war.

Wir steigen ein und meine Gruppe brieft noch einmal kurz im Gang. (Ich liebe dieses Riesenflugzeug). Die DC-3 rollt zum Runway und beschleunigt zum Abheben.

Alles sieht auf einmal anders aus bei Nacht. Mir scheint, als ob wir ewig den Runway runterbrettern. Ich war mir sicher, dass der Runway eigentlich schon zu Ende sein müsste. Endlich hebt der hoppelnde Vogel ab und steigt auf in die Dunkelheit.

Die Enden der Glühstaebe, die überall herausragen, schimmern und reflektieren in der metallischen Innenverkleidung. Es sieht sehr feierlich aus, als ob Weihnachtslichter durch das Flugzeug geworfen würden. Alle paar Minuten wird jemand von der Aufregung übermannt und schreit "Woohoo", was auch prompt jedesmal ein Chor von Freudenschreien, Pfeifen und Rufen auslöst. Und der Energie-Level steigt.

Es wird Zeit! Gear Check Abklatschen Küsse...wir sind fertig für den ersten Anflug. Als sich die erste Gruppe an der Tür aufstellt, wird das Jubeln fast unterträglich. "Frohes neues Jahr" und weg sind sie.

Wir steigen weiter für den zweiten Anflug, und irgendeiner im hinteren Teil des Fugzeugs fängt mit einem Countdown and "....fünf, vier, drei, zwei, eins, Frohes neues Jahr". Als sich die zweite Gruppe fertig macht, fängt vorne einer mit dem Countdown an "....fünf, vier, drei, zwei, eins, Frohes neues Jahr". Und wir alle jubeln wieder. Zeit ist relativ. Jedem ist egal, was die Uhren sagen. Worauf es ankommt ist, dass wir alle diesen Moment zusammen feiern.

Die zweite Gruppe geht raus und wir drehen noch eine Runde für den letzten Anflug. (Hier ein kleiner Tipp: Wenn ihr beim letzten und höchsten Sprung dabei sein wollt, seht zu, dass ihr in eine Gruppe mit dem Dropzone-Besitzer kommt. Hihihi)

Gear Check, Griffe Check. Lichter Check. Mehr Umarmungen, Küsse. AUF GEHT'S!

Wir bedecken alle unsere Augen als Glenn das Licht für seine Videokamera einschaltet und rausklettert. Bill sieht nicht, dass wir alle hier drinnen noch unsere Augen geschlossen haben, er zählt und spring. Wie...wo...? Raus hier!

Wir tauchen in den samtschwarzen Himmel.

Y2K Jump
       Photo © by Glenn Rogers
 
Wir sind ein wenig weit auseinander, aber Glenns Licht macht es einfach, die Basis zu sehen. Wir bauen einen schönen 7er. Alle grinsen.

Der Breakoff kommt, wie immer, zu früh. Ich tracke ein ganze Weile, öffne auf der mir vorgenommenen Höhe und schalte mein "Wenn-du-mich-hiermit-nicht-siehst-bist- du-blind"-Lichter an.

Dann, als ich zur Landeplatz zurückfliege, bleibt die Zeit stehen! Dieser Moment brennt sich tief in mein Gedächtnis ein. Die Dunkelheit, die Lichter am Boden, die langsam näher kommen, das Gefühl. Und ich flüstere mir selbst zu, "Wow".

Das Leben ist schön. Happy New Year!
Charlene

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