skyXtreme Titel Story
Vol. 10 - Juli 2000 / Deutsche Ausgabe Das Magazine von Skydive World

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(Fortsetzung)

Ich habe dann wegen der tiefen Wolken ein paar Hop und Pops gemacht und mich dann für einen hohen Load eingetragen. Ich dachte, ich sollte vielleicht erst mal bezahlen, bevor ich wieder vergesse, wieviele Sprünge ich gemacht habe. Ich bin rüber zum Manifest und habe die Frau dort um fünf Tickets gebeten.
 
"Klar," meinte sie, riss fünf Tickets ab und reichte sie mir. "Das macht dreißig Pfund." In dem Moment gerieten die Leute draussen in Bewegung -- ein Schüler war im Baum gelandet und jeder rannte hin. "Warte ... bezahl bei jemand Anderem!" rief sie, während sie rauslief, um an der Aufregung teilzuhaben.
 
Blieb nur noch ein Typ übrig im Manifest. "Hier," sagte ich und hielt ihm die 30 Pfund hin. "Oh, danke" sagte er und steckte das Geld ein. Dann sah er mich schuldbewusst an. "Wozu gibst Du mir 30 Pfund?"

"Um für die Tickets zu bezahlen!" antwortete ich. Er sah verstört aus, dann gab er mir das Geld zurück. "Neee, ich will das nicht" sagte er und marschierte aus dem Manifest, um auch nach dem Schüler zu sehen. Hmmm.
 
Ein paar Minuten später habe ich es dann nochmal versucht. Tommy war hatte dieses Mal Dienst im Manifest. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich für die Loads bezahlen will. Er schrieb "bezahlt" neben alle Eintragungen, und ich hielt ihm die Tickets hin. "Hey! Eine Fehlöffnung!" bemerkte irgendjemand, und wieder rannte jeder raus. Draussen zeigten dann alle Finger, begleitet von Erklärungen, in Richtung Tandemkappe, die in ein ziemlich weit entferntes Feld segelte. Da stand ich wieder.
 
Nach dem naechsten Sprung bin ich dann wieder hin, um zu bezahlen. "Nee, Du hast alles bezahlt", sagte er.
 
"Nein, ich habe Dir Tickets vorhin nicht gegeben, du hast aber schon "bezahlt" neben alle Sprünge geschrieben."
 
"Ah, wunderbar, ein ehrlicher Mensch! In dem Fall geht der erste Sprung aufs Haus, Du schuldest mir also nur drei Tickets."
 
"Okay, aber ich schulde Dir auch 30 Pfund." "Wieso schuldest Du mir 30 Pfund?", fragte er. Ich habe ihm dann die ganze Geschichte erzählt. Er war ohne Zweifel überzeugt, dass ich ihm gar nichts schulde, und dass alles eine Verschwörung war, um sie zu übervorteilen. Endlich konnte ich ihn überzeugen und gab ihm das Geld. Er sah mich fast schuldbewusst an, als er es entgegennahm.
 
Der dritte Sprung des Tages was eine 5er Formation mit Conor, Teresa, Dave und Peter. Teresa war acht Monate nicht gesprungen (außer eines Auffrischungssprungs am Morgen), deshalb hatte ich es einfach gehalten. "Fallt schnell zwischen den Punkten!" hatte ich ihnen gesagt. "Und was immer Ihr macht, bleibt dran an der Basis! Haut nicht bei 7000 feet ab, wenn irgendwas nicht gleich klappt. Der Break-off könnte chaotisch werden, wenn wir nicht alle zusammen bleiben."
 
Das Flugzeug landete und stellte den Motor ab, während der Pilot mit der Luftkontrollstelle stritt, weil die Springer auf 3700 m wollten. ATC wollte es irgenwie nie erlauben, aber die Dropzone wollte die Controller an die Anfrage gewöhnen, falls sie eines Tages eine Turbine haben würden, die tatsächlich in einer vernuenftigen Zeit auf 3700 m fliegen kann.
 
Endlich gab die ATC das okay und wir kletterten in die Maschine für den endlosen Aufstieg. David nahm eine Zeitung mit, und wir alle haben über seine Schulter mitgelesen, während der Höhenmesser auf 3700 kroch. Endlich waren wir auf 3500 und ich habe nochmal daran erinnert, sich nicht von der Basis zu entfernen und schnell zu fallen.

ICP Vision Team
Photo by John Byrnes © 2000

"Okay, einatmen!", Wir griffen uns bei den Händen und bewegten sie auf und ab. Ich sah zu Teresa. Sie glotzte zurück. "Was?" fragte sie endlich.
 
"Zähle!?" bat ich sie. Sie sollte zählen, wir alle viermal wippen und raus..
 
Sie sah mich an, als ob ich sie nicht alle hätte. "Achso, okay. Eins ... zwei ... drei ... vier ... fünf ..."

"Nein, ich meine Runterzählen zum Exit! Das Wipp-Ding!"
 
"Ja und?" fragte sie. Mittlerweile schien sie wirklich zu glauben, dass ihr Organizer nicht alle Tassen im Schrank hatte.
 
"Versuch's...zum Test" antwortete ich.
 
"Oh! okay!"... und sie legte los mit ihrem schüttel-schüttel Zaehlen. Vermutlich machen sie Einiges ein wenig anders hier.
 
Die Tür ging auf, Conor sah nach dem Absetzpunkt, brüllte "Drosseln!" und drei kletterten nach draussen. Der hintere Floater hing auch an der Floater Bar(die erste 206, die ich je gesehen habe, mit *zwei* Floater Bars!), und dann sprangen sie und Peter hechtete ihnen nach....und landete in meinem slot. Ich habe ihn ans Bein gestubst, er liess los und flog ihn den richtigen Slot. Ich bin dann in meinen Slot geflogen, und wir haben den 5er ein paar Sekunden gehalten. Ich hätte ihn gerne länger gehalten, da ich das Gefühl hatte, dass dieses der einzige Punkt sein würde, den wir zustande bringen. Außerdem wollte ich mir Irland eine Weile gemütlich aus 3000 m Höhe ansehen. Aber ich war der Organizer und verantwortlich, daher gab ich den Key zum nächsten Punkt. Vier Spinger waren drin, die Fallrate sank beträchtlich, und Dave kam nicht ran. Er hat es noch einen Moment versucht, dann aufgegeben und ist weggeflogen. Peter hat auch losgelassen und ist zu ihm rüber geflogen, um einen 2er zu bilden, der aber wie ein Stein nach unten fiel. Ich hatte ihnen doch gesagt, genau das nicht zu tun! Naja!
 
Der Break-off versprach interessant zu werden. Wir haben dann einen 3er geflogen, und dieses Mal haben wir einfach nur festgehalten und sind geflogen, unter uns Wolken und grüne Felder, soweit das Auge reichte...falls es wegen der Wolkendecke ueberhaupt irgenwohin reichen konnte. Immerhin waren wir in Irland.
 
Beim Break-Off habe ich den tiefer fliegenden 2er entdeckt und bin in die andere Richtung getrackt. Hatten die anderen beiden den auch gesehen? Glücklicherweise hatten sie. Ich öffnet und stellt fest, dass ich ungefähr einen Kilometer weit weg war von der Dropzone ... gegen den Wind. Eine gute Gelegenheit, die Gleitfähigkeit meines neuen Saphire zu testen. Ich sah mich um. Nichts sah gemütlich aus. Jede Menge Büsche und Sträucher, ein paar Straßen, aber keine offenen Felder oder Weiden. "Sekunde ... diese grünen Stellen da unten sind doch Weiden, und die kleinen weissen Knubbel darauf sind Schafe!" Ich war zu sehr an Arizona und Kalifornien gewöhnt, wo Grünflaechen nur aus Gehölz bestehen.
 
Mein Saphire hatte den Test bestanden und ein Segelflugzeug immitiert, und mich vor allem gut über den Weidezaun gebracht. Colin landete neben mir, aber der Rest der Gruppe war weiter draussen. Jeder war glücklich, trotz des einzigen geflogenen Punktes. "Das war der erste Fünfer den wir hier hatten seit....hmm..seit langen jedenfalls", bemerkte Conor.

Ich trug mich nochmal ein, aber mittlerweile war die 172er kaputt und alle Schüler mussten in die C206 gepacken werden. Tommy, der Mann am Manifest war sauer, weil niemand rechtzeitig fertig war, vor allem, wo doch nur noch ein Flieger zur Verfügung stand.
 
"David! Mach, dass Du in dein verdammtes Gurtzeug kommst, wenn ich es Dir sage, oder ich komme rüber und klatsch dir einen mit dem Baseballschläger!", brüllte er auf einmal. David bewegte sich trotzdem nicht schneller.

Freefall Guinness
Photo by John Byrnes © 2000

Ganz allgemein lief alles ein wenig gemütlicher ab beim IPC. Mehrmals, trotz herannahendem Sonnenuntergang, stellte der Pilot den Motor ab, um sich die Beine zu vertreten oder eine Weile am Manifest zu plaudern. Irgendwann hatten sie kein Schülergear mehr fertig, aber keiner hatte Lust zu packen, und deshalb wurde das Flugzeug wieder ausgeschaltet, bis einer ein Schülergear gepackt hatte. Ess war sogar so schlimm, dass Jean, ein Erstspringer, zu mir kam und mich bat, sein Gurtzeug zu packen. Klar, warum nicht? Ich habe im Hangar gepackt, während er draussen irgendwas suchte. Der Sonnenuntergang kam schnell. Beim abendlichen Umtrunk bestellte ich mir ein Wasser und ein Bier für Shauna, eine Frau, die ich schon in Belfast getroffen hatte. "Wats luss met der?", fragte sie. Sie musste es dreimal wiederholen, bis ich "Was ist los mit dir?" verstand.
 
Ma jedenfalls wusste sich deutlich auszudrücken. Ihr gehörte die Pension in der ich übernachtete, und sie kannte alle Springer. Oie war am Abend vorher rübergefahren und hatte sie nach Zimmern gefragt. Ma war nicht begeistert, denn das letzte Mal als sie ihm eins reserviert hatte, war er die ganze Nacht weggeblieben und hatte getrunken. Sie hat heftig mit ihm geschimpft und er hat versprochen, dass er dieses Mal wirklich auftauchen würde. Er hat ihr sogar 5 Pfund als Anzahlung gegeben, und sie hat es mit bösem Gesicht genommen.
 
"Er ist wieder nicht aufgetaucht!", erklärte Ma am nächsten Morgen, als sie sein Bett unberührt fand. Dieser Halunke! ... Er braucht ein nettes Mädchen, dass ihn zur Ruhe bringt. Naja, nicht gerade ein nettes, dass kann man keinem netten Mädchen antun. Einfach ein Mädchen...wie's ein Junge braucht." Sie fummelte in ihrer Tasche nach den 5 Pfund. "Hier, wenn Du ihn siehst, gib ihm das, aber schimpf erst mit ihm bitte, klar?"
 
Ich musste Sonntag nach einem letzten Sprung abreisen. Die C172 war immer noch kaputt, daher wie die C206 immer voll belegt. Trotzdem konnte ich noch einen Sprung aus 3000 m machen, einen 2er mit Ian. Im Flugzeug war zu hören: "Der Wind bläst ganz schön kräftig hier oben, wartet nicht so lange mit dem Exit!" Irgendwie scheint man hier eine andere Vorstellung von Exit Separation zu haben. Klar, dass ich mich unmittelbar über dem ersten Springer wiederfand, aber das war in Ordnung...einem kann ich ausweichen.
 
Vielen Dank an alle beim Irischen Parachute Club, für ein tolles Wochenende - Tommy, dem wütenden Manifester, Ma von der Pension, DT, Conor, Jean, Teresa und Peter, und besonders Noelle, die die Truppe zusammengetrommelt hatte, und Shauna und Erica für ihre Gastfreundschaft!

Besucht die Website des Irish Parachute Clubs unter http://www.skydive.ie/.

By Bill von Novack - billvon@qualcomm.com

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