skyXtreme Eure Stories
Vol. 10 - Juli 2000 / Deutsche Ausgabe Das Magazine von Skydive World

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Diese Seite ist für Eure Skydive-Stories. Habt Ihr eine aussergewöhnliche, lustige oder aufregende Geschichte erlebt oder gehört? Schreibt sie auf und erzählt sie den Lesern von skyXtreme.

Fliegen mit den Pros
Formation Skill Camp mit Generation FX
Story und Fotos von Jens Holzhäuser / Deutschland/USA - HolzhaeJ@whiteoaksemi.com

Alle Hände sind in der Mitte des Kreises verschränkt. Wir versuchen, gegenseitig einen kurzen Blick in die gläzenden Augen eines jeden anderen zu erhaschen. Langsam atmen wir ein und aus, das Händeknäuel bewegt sich auf und ab: «Huut!» -- «EFFF EXXX!!!». Jetzt starren uns wirklich alle Besucher auf dem Zuschauerstockwerk an. Jemand hatte schon vorhin ein paar Fotos von unserer bunt gewürfelten Gruppe geschossen, als wir die Windtunnel-Kammer des Skyventure für ein paar Minuten verlassen hatten.
 
Soeben haben wir eine weitere erstklassige Windtunnel Trainingseinheit mit Doug Park und Dave Timko von Generation FX beendet. Wir, das ist eine ziemlich gemischte Gruppe von Relativ Enthusiasten, oder solchen, die es werden wollen; Richard und Lynn, beide haben praktisch gerade den AFF Kurs hinter sich gebracht; Jan mit über 2000 Sprüngen und selbst sehr aktiv als Relativ Coach an unserem Heimatsprungplatz; dazwischen Tom P., Pete, ich selbst und Tom A., der meist im Pilotensitz endet, wenn er am Sprungplatz auftaucht.
 
Jan hatte diesen Trip nach Florida seit einigen Montaen geplant und angepriesen. Sie versprach uns ein hochqualitativen Training mit exzellenten Coaches. Immerhin handelt es sich bei Generation FX um eines der besten 4er Formations Teams in den USA. Das Team trainiert derzeit in Skydive DeLand, Florida.

Das Camp begann für mich Freitag morgens bei Skydive DeLand. Doug begrüßte mich mit einen freundlichen Lächeln und einem herzlichen Händedruck. Richard hatte am Vortag schon die AFF Level 5-7 bestanden. Kein Wunder, er hatte auch im Laufe des Winters jede Menge Zeit im Windtunnel verbracht, jedoch ohne in die "richtige Luft" zurückzukehren. An diesem und dem folgenden Tag war auch Niklas Hemlin (ehem. Mitglied des Schweizerischen Nationalteams Velox) mit unter den Coaches. Das ergab drei Trainer für sechs Springer am ersten Tag!

The whole bunch
(v.l.n.r.) Jens, Lynn, ein Freund von Tom A., Tom A.,
Dave (FX), Jan, Doug (FX), Tom P. und Pete

Der Freitag war eher ruhig in DeLand, die Skyvan Loads bestanden im Prinzip nur aus unserer Gruppe mit jeweils ein paar anderen Springern. Mittags saß ich im Sprungplatz-Restaurant "The Right Spot", als das Manifest die 20 Minuten Ankündigung bis zum nächsten Load über die Lautsprecher durchgab. Kaum hatte ich die Kellnerin um die Rechnung gebeten, wurden die 20 Minuten auf 30 verlängert. Ich konnte mich wieder enspannen. Zwei Springer betraten das Restaurant und ich konnte ihr Gespr&aumm;ch an der Bar mithören: "Die Leute vom Skill Camp sind in der Mittagspause, da haben wir noch 10 Minuten länger bis zum nächsten Load." "Nun ja", dachte ich, und schlürfte nochmal kräftig an meinem hervorragenden Frucht-Power-Shake, "das nennen ich Erste-Klasse-Service!"
 
Der Tag hatte schon mit einigen hervorragenden Sprüngen mit Tom A. und Dave begonnen. Später - etwas stärkerer Wind hielt unsere Anfänger am Boden - gesellte sich noch Doug zu einigen 4er Randoms und Blocks dazu. Obwohl alles sehr professionell gehalten wurde, kam der Spass niemals zu kurz. Es war eine pure Freude, mit den Jungs zu fliegen. Der Samstag folgte in einer anderen Gruppenzusammenstellung mit Niklas, und Sonntag setzte dem ganzen die Krone auf, mit einem Super-5er der erfahrenen Springer aus 2.500 m Höhe, kurz bevor das schlechte Wetter richtig einsetzte.
 
Freitag und Samstag am späten Nachmittag - und auch Sonntag mittags wegen der aufkommenden Gewitter - wechselten wir die Szene zum Skyventure Windtunnel in Orlando, etwa eine Stunde von DeLand entfernt. Mit der patentierten Technik, die Luft von oben her anzusaugen, erzeugt er eine sehr realitätsnahe Freifall-Simulation. Da der gesamte Durchmesser der inneren Kammer zum Fliegen genutzt werden kann, und die Wände teilweise verspiegelt sind, ist der Tunnel ein hervorragendes Trainingwerkzeug.
 
Wir rotierten in zwei Minuten Abschnitten durch mehrere 30 und 60 Minuten Blocks während des gesamten Camps. Nach einem ersten Solo begann das individuelle Training dann mit korrekter Körperhaltung, Arm- und Beineinsatz für Drehungen, und neben anderen Flugtechniken noch Griffmanagement. Mein persönlicher Hit ist die "follow-the-leader" Übung, bei der man den Coach imitieren muss. Das endet dann in einer aufregenden dreidimensionalen Jagd in der Tunnelröhre. Das schlaucht beide Springer ganz schön, wie ich feststellen konnte.

Lynn and Dave
Lynn und Dave beim Dirt-Dive

Mit nur 16 Sprüngen zu Beginn des Camps hat sich Lynn den Preis für die beste Steigerung verdient. Bei ihren ersten Versuchen im Luftstrom taumelte sie mehr oder weniger in der Röhre wie ein Blatt im Wind. Doch dann sagte sie dem verflixten Tunnel mit einem entschlossenen Gesichts- ausdruck den Kampf an. Doug griff ein und versuchte geduldig mehrere Runden lang ihre Körperhaltung zu korregieren und sie ruhig in den Luftstrom zu legen.

Endlich sahen wir förmlich ein Licht aufgehen, ihr Körper "rastete" in die richtige Position und sie übernahm das Ruder! Mit einem ganz breiten Grinsen folgte sie Dougs Fäusten, die er ihr als Ziel präsentierte, während er aufrecht im Tunnel herumwanderte. Mit wachsender Begeisterung beobachteten wir das Geschehen im Tunnel, und als Lynn zum ersten Mal eine saubere und zentrierte 360 Grad Drehung hinlegte, konnten wir uns nicht mehr halten: wir übertönten den Krach des Windtunnels mit unserem Geschrei. Es war fast so, als ob ein kleines Kind reibungslos vom Krabbelstadium zum Laufen übergegangen wäre. "Das war harte Arbeit", gab Doug später zu, aber in seinem Gesicht war deutlich zu erkennen, wie stolz er über den Erfolg war. Die 'vorher' und 'nachher' Videos von Lynns Sprüngen gaben ihm vollkommen recht.
 
Das Skill Camp war ein voller Erfolg. Nicht zuletzt wegen des bestens ausgerüsteten Sprungplatzes in DeLand, der freundlichen Mitarbeiter, Packer, und der sich selbst manifestierenden Videoflieger (einer kam Sonntag früh kurz vorbei um sich abzusichern, daß wir ihn brauchen ... er hatte sich eben selbst mit uns zusammen auf die Loadliste schreiben lassen ...). Doug, Dave und Niklas gaben uns ein professionelles Training, wobei der Spass niemals zu kurz kam. Die ganze Organisation war sehr flexibel, bei schlechtem Wetter musste eben kurzfristig der Windtunnel herhalten. Wir verliessen Florida mit einem sehr guten Gefühl für die neuerlernten Sachen. Wir wollten nun alles unbedingt zu Hause ausprobieren und an den 'Hausaufgaben', die FX jedem mitgegeben hatte, arbeiten. Kräftige Händedrücke und Umarmungen zum Abschied, "Bis bald!". Ja, wir kommen wieder. Ich auf jeden Fall ... bald!

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